"Kindererziehung ist ein Beruf, wo man Zeit zu verlieren verstehen
muss, um
Zeit zu gewinnen."

Jean-Jacques Rousseau

Pädagogisches Selbstverständnis

Elementarpädagogik (0 bis 6 Jahre)

Jedes Kind als Individuum zu sehen, welches danach strebt, sich selbst zu verwirklichen, haben wir uns zum Leitgedanken gemacht. Es dabei zu unterstützen und in seinem eigenen Bestreben zu bestärken möchten wir leisten.

Bildung ist ein nie endender Prozess, dessen Anfang wir zusammen mit den Kindern und natürlich dem Einbezug der Eltern gestalten möchten. Hierbei geht es in den ersten Lebensjahren besonders um die Entwicklung von Kompetenzen, für die es nicht nur ein vertrautes und den Raum beziehungsweise das Material zum aktiven Erleben bietendes Umfeld, sondern vor allem auch der Begleitung durch kompetente Unterstützer bedarf.

Bei der Gestaltung unseres Alltags räumen wir dem Freispiel, also den Situationen, in denen das Kind Ort, Partner, Material und Verlauf seines Spieles selbst wählen kann, bewusst einen hohen Stellenwert ein. Denn in diesen agiert das Kind seinen Präferenzen und Bedürfnissen entsprechend; es findet ein selbstgesteuerter, individueller Lernprozess statt.

Dennoch ist selbstverständlich auch die Gestaltung von angeleiteten Bildungsprozessen wichtig für die Entwicklung des Kindes. Wichtige Aufgaben des pädagogischen Teams sind bei der Planung und Durchführung hierbei:

  • die Beobachtung des Verhaltens und Handelns des Kindes, um Förderbedarfe zu erkennen und stärkenorientiert zukünftige Prozesse gezielt gestalten zu können
  • unterstützen die vorhandenen Kompetenzen anzuwenden und die eigenen Fähigkeiten auszubauen
  • Raum zur Partizipation von der Gesamtgruppe zu bieten und so die Kooperationsfähigkeit zu fördern
  • seien von Vorbild in Sprache, Werten und Verhaltensweisen
  • Rückmeldung während der Aktivität in Form von Lob, Bestärkung und Ermutigung zu geben und so ein Selbstwertgefühl aufzubauen
  • Anregung der bewussten Auseinandersetzung durch verbale Interaktion mit gezielten Fragestellungen
  • instruieren von ansprechenden Spiel- und Lernumwelten

Im Gruppenalltag gibt es bei uns immer wieder Wochenthemen, bei denen sich intensiv mit einer, beispielsweise an der Jahreszeit oder beobachteten Interessen und Bedürfnissen der Kinder orientierenden Thematik befasst und durch verschiedene Angebote bearbeitet wird.

Soziale Entwicklung

Ziel unserer pädagogischen Arbeit ist es, die Entwicklung sozialer Kompetenzen zu fördern und somit jedes Kind auf den Übergang in den Elementar- und Primärbereich (Kindertagesstätte, Vor- oder Grundschule) vorzubereiten. In der Gesamtgruppe können die Kinder prosoziales Verhalten lernen und ihre sozial-emotionalen Kompetenzen entfalten.

  • sie lernen Rücksicht auf andere zu nehmen
  • Verantwortung zu übernehmen und Hilfe zu leisten
  • Konflikte verbal auszutragen und gewaltfrei zu lösen
  • kooperatives Verhalten zu zeigen und eigene Kooperationsfähigkeit zu entwickeln

Emotionale Entwicklung

Damit sich jedes Kind bewusst wahrnehmen und Empfindungen verstehen kann ist es für uns wichtig, dass es seine eigenen Emotionen kennenlernt, diese benennen und mit ihnen adäquat umgehen kann. Deshalb fördern wir die emotionale Entwicklung, bei der wir vor allem das Selbstwertgefühl und die Eigenwahrnehmung in den Fokus stellen.

  • sie lernen ein Bewusstsein für eigene Gefühle zu entwickeln
  • Gefühle zu benennen und voneinander zu unterscheiden
  • Emotionen mimisch und sprachlich ausdrücken und kommunizieren zu können
  • Empfindungen anderer (emphatisch) erkennen und nachvollziehen zu können
  • positive und negative Gefühle als gleichsam berechtigt wahrzunehmen
  • Umgangsformen zum Ausleben und zur Kanalisierung von Emotionen zu entwickeln

Kognitive Entwicklung

Wir fördern die kognitive Entwicklung, wobei die individuellen Rhythmen und Neigungen der einzelnen Kinder beim Er- und Kennenlernen berücksichtigt werden. Durch die Gestaltung von unseren Räumlichkeiten und das Bereitstellen von ausgewählten Spielmaterialien, aber auch Durchführung gezielter Bildungsprozesse unterstützen wir die kognitive Entwicklung.

  • sie entwickeln die Fähigkeit zum logischen Denken
  • erlernen die Kontextsetzung von und Assoziation zu einzelnen Gegenständen, Situationen und Geschehnissen
  • sie lernen sich Wissen und Kenntnisse aneignen zu können
  • entwickeln eine Auffassungsgabe und Merkfähigkeit

Sprachliche Entwicklung

Sprache beginnt vor dem Sprechen. Um eigene Bedürfnisse, aber auch Empfindungen, Wahrnehmungen und Meinungen mit dem Umfeld teilen und mit diesem in verbale Interaktion treten zu können, fördern wir den Spracherwerb.

  • durch ein tägliches Vorleseangebot, bei dem altersgerechte Elementar-, Sach- und Lernbücher betrachtet werden, können die Kinder ihren aktiven und passiven Wortschatz und somit auch ihre kommunikative Kompetenz entwickeln
  • in der täglichen Morgenrunde wird der Spracherwerb auf spielerische Weise, wie dem gemeinsamen Singen, Mitmachgeschichten oder Fingerspiele, gefördert
  • mit der bewussten Stellung von offenen Fragen wird die Formulierung eigener Äußerungen in zusammenhängenden Worten angeregt, anstatt durch geschlossene Fragen nur Bejahung oder Verneinung zu erzielen
  • durch korrektives Verbessern anstelle von Hinweisen auf falschausgesprochene Worte oder grammatikalische Fehler wird die Freude an der Sprache nicht gehemmt und das Kind fühlt sich verstanden und angenommen

Motorische Entwicklung

Die Entwicklung grob- und feinmotorischer Fähigkeiten versuchen wir durch den Einsatz verschiedener Methoden zu fördern. Hierbei ist es uns wichtig, dass die Kinder Vertrauen in ihre eigenen körperlichen und motorischen Fähigkeiten entwickeln und die Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper und ihrer (räumlichen) Umwelt anzuregen.

  • durch gemeinsames Gestalten und Basteln, wobei das eigenstände Halten und Führen von Stift oder Schere und punktuelles Kleben erlernt wird, sowie auch dem Backen von Formgebäck werden feinmotorische Kompetenzen entwickelt
  • durch regelmäßige Aktivitäten im Außenbereich und der Bereitstellung von Spielgeräten wird nicht nur dem kindlichen Bewegungsdrang entsprochen, sondern auch die Grob- und Feinmotorik konditioniert
  • durch spezielle Materialien zum Fühlen und Greifen unterstützen wir gezielt die Entwicklung der taktilen Wahrnehmung

Kulturelle und interkulturelle Bildung

Auch wenn wir eine konfessionslose Einrichtung sind, begehen wir mit den Kindern christliche Feste, wie beispielsweise das Oster- und Weihnachtsfest. Ebenso setzen wir uns in unserem Gruppenalltag aber auch mit den Bräuchen und Festen anderer Religionen auseinander. Hierbei steht für uns stets der kulturelle, weniger jedoch der religiöse Aspekt im Mittelpunkt. So möchten wir ein Verständnis für unterschiedliche Weltanschauungen und Brauchtümer schaffen, in dem wir Wissen über diese wertfrei vermitteln und auf diese Weise Toleranz und Akzeptanz fördern.

Dieses Selbstverständnis ist die Grundlage bei der Ausübung unserer pädagogischen Arbeit, wie auch Richtlinie für ihre Planung. Bei der Gestaltung von Bildungsprozessen orientiert sich unser Team an seinen Inhalten. Dennoch erhebt es keinen Anspruch auf Vollständigkeit, denn fortwährende Prüfung und Anpassungen an Veränderungen und Besonderheiten des Alltags sehen wir ebenso als unsere Aufgabe, wie auch die kontinuierliche Reflektion zur Sicherung und Optimierung der gesetzten Qualitätsstandards.

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